| |
| Ein Urgestein im Vertrieb |
| |
| Zeppelin trauert um Walter Raum – der frühere Geschäftsführer von Zeppelin Österreich ist tot |
| |
GARCHING BEI MÜNCHEN (SR). Walter Raum, der frühere Geschäftsführer der Zeppelin Österreich GmbH, verstarb vor wenigen Tagen im Alter von 75 Jahren. Raum erlag damit seinem Krebsleiden. Von seinen 45 Berufsjahren hat er die längste Zeit bei Zeppelin verbracht. „Der Verlust von Walter Raum schmerzt uns sehr. Er war ein Urgestein in unserem Unternehmen, das aufgrund seiner langjährigen Erfahrung im Vertrieb bei Kollegen und Kunden gleichermaßen geschätzt wurde und hohe Anerkennung sowie Wertschätzung genoss. Sein Wort hatte einfach Gewicht. Auch wenn Walter Raum schon längst im Ruhestand war, so war das Wort Ruhestand eigentlich ein Fremdwort für ihn. Bis zum Schluss war er äußerst aktiv und engagierte sich etwa für den Zeppelin Veterans Club als dessen erster Vorsitzender“, würdigte Michael Heidemann, Chef der Zeppelin Baumaschinen GmbH, den früheren Geschäftsführer-Kollegen. Der Zeppelin Veterans Club ist eine Vereinigung von rund 180 ehemaligen Zeppelin Mitarbeitern sowie Freunden von Baumaschinen, die 2005 ganz maßgeblich auf Initiative Walter Raums gegründet wurde.
Seine berufliche Laufbahn begann Walter Raum, am 18. April 1936 in Worms geboren, mit einer Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker. Darauf folgten fünf Jahre, in denen er als Mechaniker gearbeitet hat. In dieser Zeit besuchte er eine Abendschule, um sich weiteres kaufmännisches Wissen anzueignen sowie seine Englischkenntnisse zu vertiefen. 1961 kam Raum zu Zeppelin. Die ersten eineinhalb Jahre war er im Vertrieb von Cat Baumaschinen als Verkäufer tätig. Aus dieser Zeit stammt eine Anekdote, die zeigt, wie er es bereits von Anfang an verstand, mit Kunden umzugehen: „15. Juli 1962, diesen Tag werde ich zeitlebens nicht vergessen“, erinnerte er sich, als er seinen Kollegen von der damaligen Zeit erzählte: „Als junger Zeppelin Verkäufer hatte ich endlich bei einem großen Hanomag Kunden eine Vorführung mit einer Cat D4 gegen eine Hanomag K65 erreicht. Es ging um Weinbergkultivierung, bei der das Material den Weinberg hinaufgeschoben wird. Unser damaliger Vorführer war Bruno Degen. Am Abend saßen dann der Kunde, sein Sohn, der Wettbewerbshändler, einige Freunde und ich beim Wein zusammen. Es war an diesem Tag sehr heiß gewesen und so kam kurz nach Mitternacht der Sohn des Kunden auf die Idee, dass wir alle nur mit Krawatte bekleidet durch den nahe gelegenen Main schwimmen sollten. Gesagt, getan. Mit den Scheinwerfern beleuchteten wir Ufer und Main und schwammen los. Am nächsten Morgen erhielt ich die Unterschrift auf meinem Kaufvertrag für eine D4, die erste Cat Maschine nach 34 Hanomag Geräten.“ Anekdoten wie diese gibt es viele aus der Zeit von damals. Schon kurz darauf ging es auf der Karriereleiter eine Sprosse weiter: Die nächsten eineinhalb Jahre übernahm Raum bereits die Funktion des Verkaufsleiters. Zu seinen ersten beiden Stationen zählte die Zeppelin Niederlassung in Worms, die Ende der 1950-er Jahre als erste Caterpillar Niederlassung der damaligen Zeppelin Metallwerke in Deutschland gegründet worden war. „Raum war sozusagen einer der ersten Vertriebsmitarbeiter, als die Zeppelin Metallwerke GmbH 1954 die Vertretung von Caterpillar in Deutschland übernahm und damit in das Vertriebsgeschäft von Baumaschinen einstieg“, so Michael Heidemann. Eine weitere Niederlassung der ersten Stunde war Köln. Dorthin verschlug es Walter Raum die nächsten sieben Jahre. Bis 1971 sollte er die Niederlassung in der Domstadt am Rhein leiten. Danach kehrte er Zeppelin den Rücken und wurde Gesamtvertriebsleiter mit Einzelprokura bei der Firma Kaltenegger, welche Verdichtungsgeräte der Marke Duomat herstellte. 1974 bis 1981 übernahm Walter Raum die Gesamtvertriebsleitung bei Mannesmann-Demag, wo ihm auch Prokura erteilt wurde. Von Mannesmann-Demag ging es weiter zu Komatsu – von 1981 bis 1990 war Raum als Geschäftsführer für das Deutschland-Geschäft verantwortlich. Die letzten zehn Berufsjahre ging Raum wieder zurück zu Zeppelin, wo seine Karriere im Vertrieb begonnen hatte. Zunächst war er als Direktor für Vertrieb und Marketing für das Baumaschengeschäft in Deutschland zuständig. Zusätzlich zu dieser Aufgabe wurde er zum Geschäftsführer der österreichischen Tochterfirma Eisner Baumaschinen, dem Vorgänger der Zeppelin Österreich GmbH, mit Sitz in Wien, berufen. Doch diese Aufgabe erforderte schon bald seine ganze Aufmerksamkeit. So wurde er deren alleiniger Geschäftsführer, um sich zuletzt ausschließlich dem österreichischen Markt widmen zu können. Höhepunkt seiner Berufskarriere war die Ernennung zum Generalbevollmächtigten des Zeppelin Konzerns. Diese Position hatte er bis zu seiner Pensionierung inne. Selbst vom Ruhestand aus war er für Zeppelin noch viele Jahre in Strategiefragen beratend tätig und hat zum Beispiel die Übernahme der wesentlichen Geschäftsaktivitäten der damaligen MVS AG begleitet. „Dass MVS Zeppelin, die größte Vermietgesellschaft Deutschlands, heute zum Zeppelin Konzern gehört, ist auch ein Verdienst von Walter Raum“, hob Michael Heidemann hervor. Bis heute war Walter Raum der erste Vorsitzende des Zeppelin Veterans Club, der den Verein geprägt und nach vorne gebracht hat. Ihm sowie den anderen Gründungsmitgliedern ging es darum, den Kontakt zu den ehemaligen Kollegen durch ein soziales Netzwerk aufrechterhalten. Die Idee sprach sich herum und schnell fanden sich weitere Interessenten, die das Projekt unterstützen wollten.
„So wie dort zeigte Raum sein ganzes Berufsleben lang vollen Einsatz. Eine Anekdote, die er mir selbst erzählt hat, zeigt, wie erfinderisch und kämpferisch er immer war: Als junger Mann sollte er Autos einer ausländischen Marke verkaufen, die derzeit in Deutschland in der Nachkriegszeit nicht sonderlich gefragt waren. Das einzig Gute war, dass sie aus deutlich dickerem Blech zusammengeschweißt waren wie die Autos der anderen Hersteller. Um dies zu demonstrieren und zu zeigen, wie robust sie konstruiert waren, fuhr Walter Raum vor die Kinos, sprang nach Ende der Vorstellung auf das Dach und hüpfte darauf wie wild herum ohne Beulen zu hinterlassen. Das hat manchen Kinobesucher so beeindruckt, dass er am nächsten Tag gleich einen Kaufvertrag bei Walter Raum unterschrieb. Wie diese Anekdote, aber auch sein Lebenslauf zeigt, schlug sein Herz immer für den Vertrieb - er war ein Vertriebsprofi durch und durch. Walter Raum hatte das Talent, sich perfekt auf Menschen unterschiedlichster Persönlichkeiten und Charaktere einzustellen – eine Eigenschaft, welche für einen Verkäufer und Vertriebschef unerlässlich ist, will er erfolgreich sein. Und das war Walter Raum auf jeden Fall. Er handelte stets nach der Devise: Den Kunden in den Mittelpunkt des Handelns zu stellen. Bis zuletzt war er noch unseren Kunden sehr verbunden und pflegte zu einigen auch noch einen engen Kontakt. Walter Raum hat die deutsche Baumaschinenindustrie mehrere Jahrzehnte wesentlich mit geprägt. Für mich ist er immer ein großes Vorbild gewesen “, beschrieb ihn Michael Heidemann.
Bild: Zeppelin trauert um Walter Raum
Foto: Zeppelin
|
|
|
|