|
|
|
|
Bild 1: Machten sich ein Bild vom Maschineneinsatz: Michael Heidemann (vorne rechts), Chef der Zeppelin Baumaschinen GmbH, sowie Kay-Achim Ziemann (Zweiter von rechts), Zeppelin Vertriebsdirektor. Sie ließen sich von Christian Strysch (vorne links), Geschäftsführer der Stricker Holding GmbH & Co.KG, Karl-Heinz Rogalla (hintere Reihe links), Stricker Betriebsleiter, Dietrich Lut |
|
Bild 2: Zehn Bagger von Caterpillar verteilen sich auf der gesamten Baustelle, um den Aushub voranzutreiben |
|
Bild 3: Insgesamt müssen 1,3 Millionen Kubikmeter abgetragen, abgefahren und abgekippt werden. |
|
|
| |
| |
| „Erdbauern dürfte hier das Herz aufgehen“ |
| |
| Wie sich die Emscher im Zuge der Renaturierung von einem Abwasserkanal zu einem Naherholungsgebiet wandeln soll |
| |
DORTMUND (SR). Es ist die größte und geruchsintensivste Baustelle in ganz Dortmund: der Umbau der Emscher. Der Fluss galt jahrzehntelang als eine Kloake des Ruhrgebiets – die Schwerindustrie aus dem Pott leitete dort ihr Abwasser ein. In ganz Deutschland wurde kein Fluss so missbraucht wie die Emscher. Das ist im 21. Jahrhundert alles andere als zeitgemäß. Künftig soll das Abwasser unterirdisch und in geschlossenen Kanälen abgeleitet werden. Der Fluss samt seiner Seitenarme soll wieder naturnah gestaltet werden. Für rund zwei Millionen Einwohner im Einzugsgebiet der Emscher entstehen neue Erholungsgebiete. Einen Beitrag dazu leisten die beiden ARGE-Partner, die Stricker GmbH & Co. KG aus Dortmund und die Heitkamp Erd- und Straßenbau GmbH aus Herne. Sie müssen für den Auftraggeber Emschergenossenschaft bis 2013 in Dortmund-Mengede ein Hochwasserrückhaltebecken für 17 Millionen Euro bauen.
Für die beiden Unternehmen aus Nordrhein-Westfalen ist es nicht das erste Mal, dass sie sich zu einer ARGE zusammengeschlossen haben. Bereits beim Projekt Phoenix-Ost teilten sie sich die Bauaufgabe, die darin bestand, 2,7 Millionen Kubikmeter für einen künstlichen See samt tausender Wohnungen und Büros auf einem ehemaligen Stahlwerksareal mitten in der Innenstadt in Dortmund-Hörde auszuheben. Diesmal befindet sich die Baustelle am Stadtrand. Doch das ist nicht die einzige Rahmenbedingung, die sich geändert hat. So wie bei jeder Baustelle die Gegebenheiten vor Ort verschieden sind, sind auch diesmal die Herausforderungen andere. Um das neue Hochwasserrückhaltebecken anlegen zu können, müssen 1,3 Millionen Kubikmeter ausgehoben und abtransportiert werden. Das Regenrückhaltebecken soll die Wassermenge der Emscher selbst bei starken Niederschlägen auffangen können. In der Vergangenheit haben die Kläranlagen die anfallende Wassermenge bei Starkregen oft nicht mehr verkraftet. 1,3 Millionen Kubikmeter Aushub entspricht der Hälfte des Baukörpers der Cheopspyramide, die 2,6 Millionen Kubikmeter Volumen Masse umfasst. Zum Vergleich: Der voll mit Wasser gefüllte Phoenix-See bringt es auf ein Fassungsvermögen von 650 000 Kubikmeter. „Das war damals schon ein riesiges Loch, das wir da anlegen mussten. Auf der Fläche von hundert Hektar wurden enorme Massen hin- und herbewegt. Beim Aushub für das Hochwasserrückhaltebecken muss dagegen das Material auch noch beseitigt werden“, berichtet Christian Strysch, Geschäftsführer der Stricker Holding GmbH & Co. KG aus Dortmund. So wie er sind auch Dietrich Lutz, Oberbauleiter der Heitkamp Erd- und Straßenbau GmbH aus Herne, sowie sein Kollege und Heitkamp-Bauleiter Christian Pyttel, wieder mit von der Partie. Sie sind mit der gleichen Mannschaft wie bei dem Projekt Phoenix-Ost angetreten. Um das Regenrückhaltebecken, das sich in verschiedene Bereiche beidseitig des Emscherverlaufs gliedert, zu erstellen, müssen die beiden Bauunternehmen eine Fläche von rund 20 Hektar bis zu sieben Metern Tiefe auskoffern. Zehn Bagger von Caterpillar verteilen sich auf der gesamten Baustelle, um den Aushub voranzutreiben. „Erdbauern dürfte hier das Herz aufgehen angesichts des Umfangs an Erdbewegung“, meint Dietrich Lutz, Oberbauleiter bei Heitkamp. Der anfallende Aushub ist sehr inhomogen und weist unterschiedliche Anteile von Sand und Schluff auf. Bislang wurden auch organische Ablagerungen des alten Flussbetts entdeckt, die gesondert beseitigt werden mussten. Insgesamt müssen 1,3 Millionen Kubikmeter abgetragen, abgefahren und abgekippt werden. So lange das Wetter trocken blieb, bereitete dies auch den ausführenden Firmen kein größeres Kopfzerbrechen. „Es staubt dann halt lediglich stärker, so dass der Wasserwagen öfters als sonst die Wege bewässern muss. Doch als wir hier einmal eine stärkere Regenphase hatten, stand das Wasser auf der Fläche 30 Zentimeter hoch und verwandelte das Gelände in eine Sumpflandschaft“, erzählt der Heitkamp-Bauleiter Christian Pyttel.
Dann war der Einsatz von Pumpen unausweichlich, um das Wasser abzuleiten. Darum geben Heitkamp und Stricker ganz besonders in den Sommermonaten Gas, um sich einen Zeitvorsprung herauszuarbeiten, bis im Herbst die Schlechtwetterperiode ansteht. Die eingesetzten Cat Baumaschinen werden von der Zeppelin Niederlassung Hamm gewartet. „Bei Inspektionen nutzen wir jede Lücke, denn angesichts unserer schnellen Taktung können wir uns keine langen Ausfallzeiten erlauben. Der Service für die Baumaschinen ist dem Baustellenablauf angepasst“, macht Oberbauleiter Lutz deutlich. Was hier zählt, sind die Leistung und was die Maschinen täglich bewegen. „So wie ein Rohstoffbetrieb auf das Füllvolumen des Baggerlöffels, die Ladezeiten und die Ladespiele von Bagger und Lkw achtet, spielen auch bei unserer Baustelle diese Kriterien eine Rolle. Auch wir haben uns mit der Frage beschäftigt, wie lange ein Bagger für ein Ladespiel benötigt“, so Pyttel.
Der Aushub zieht einen riesigen Aufwand an Logistik für die Materialtransporte nach sich. 90 Lkw und zehn Traktoren sind wochentags unentwegt im Umlauf, von sieben Uhr morgens bis 20 Uhr abends – am Samstag wird bis zum Nachmittag gearbeitet. Geduldig reihen sich die Transportfahrzeuge zum Beladen durch Cat Kettenbagger ein. Jede Tonne Material wird gewogen und für die Abrechnung erfasst. Pro Stunde sind 60 Transporte eingeplant – bis zu 780 Transporte sind täglich möglich und machbar. „Bei dieser Baustelle sind die Transporte genau geregelt. Die Anzahl der Transporte auf dem eigens erstellten aufwendigen Baustraßensystem sind beschränkt. Schließlich geht es im Prinzip um die Frage: Wie viel Verkehr und damit wie viel Lärm darf den Anwohnern zugemutet werden? Denn der komplette Baustellenverkehr muss ein Wohngebiet passieren, das eigentlich eine verkehrsberuhigte Zone ist“, so Strysch. Beim Übergang von der Baustelle in die Wohnsiedlung wird darum Sicherungspersonal positioniert, das dafür sorgt, dass der Baustellenverkehr einen Zwangsstopp einlegen muss und so gezwungen wird, die Fahrgeschwindigkeit zu drosseln. Über tausend Querungen durch Lkw und Traktoren werden so arbeitstäglich abgesichert. Um Schmutz auf öffentlichen Straßen zu begrenzen, wurde außerdem eine Reifenwaschanlage installiert. Die Fahrzeuge müssen auf ihrem Weg zur Kippstelle auch noch einen Kindergarten und eine Schule passieren. Und dann kommen sie noch dem ohnehin schon starken Berufsverkehr in die Quere. Staus lassen sich darum nicht immer völlig vermeiden. Da ist dann die Disposition besonders gefordert, die von der Firma Heitkamp von dem Firmensitz in Herne aus geregelt wird. „Das Regenrückhaltebecken ist nicht unsere einzige Baustelle – die anderen Baustellen müssen genauso weiterlaufen. Bei der Vielzahl der notwendigen Transporte keine einfache Aufgabe“, so Lutz. Für den Baustellenverkehr musste eine eigene Infrastruktur geschaffen werden. Dazu wurden auf einer Länge von 4,5 Kilometern zweispurige Baustraßen angelegt, wovon 30 000 Quadratmeter asphaltiert wurden. Um den Verkehr entsprechend zur Baustelle zu leiten, wurde extra eine Behelfsbrücke mit 30 Metern Spannweite über die Emscher geschaffen. „Zusammen mit Stricker haben wir der Emschergenossenschaft einen Sondervorschlag in Form eines Kreisverkehrs unterbreitet, um die Baustellenlogistik in geordnete Bahnen zu lenken und zügig abwickeln zu können“, erklärt Christian Pyttel. Lkw und Traktoren unterqueren nördlich des Emscherlaufes die A45 und fahren durch auf die Baustelle, wo sie beladen werden. Dann queren sie die Emscher über die Behelfsbrücke und verlassen auf der südlichen Emscherseite wieder die Baustelle. Das ausgehobene Material wird von der RAG für die Rekultivierung von Landschaften und zur Geländemodellierung verwendet. So wird die Bergehalde Groppenbruch mit dem Aushubmaterial abgedeckt. In Summe werden allein bei dieser Rekultivierungsmaßnahme 1,2 Millionen Tonnen Aushubmaterial eingebaut. Zwei Cat Raupen vom Typ D6N bringen durchschnittlich Tag für Tag 4 000 Tonnen Material ein. An Spitzentagen sind es bis zu 6 000 Tonnen. „Das ist wirklich eine herausragende Leistung, welche die beiden Baumaschinen da an den Tag legen“, bewertet der Stricker-Geschäftsführer Christian Strysch den Maschineneinsatz. Wenn die Baustraßen ihren Zweck für die Materialtransporte erfüllt haben, werden sie teils rückgebaut, teils erhalten sie eine neue Funktion. Sie werden den Emscher Radweg fortführen, der bei Holzwickede im Kreis Unna, wo die Emscher entspringt, beginnt und bis Duisburg verläuft. „Dies wird ein Beitrag für die Umsetzung des Strukturwandels im Ruhrgebiet sein, der derzeit in vollem Gange ist. Der Radweg soll der Bevölkerung zur Naherholung dienen, aber auch den Touristen, welche die verschiedenen Zeugnisse der Industriekultur besichtigen wollen“, erklärt Strysch. Die renaturierte Emscher wird dann für eine Landschaft stehen, die wieder ihre ursprüngliche Form erhalten hat.
((Kasten))
Über die Emschergenossenschaft
Die Emschergenossenschaft wurde 1899 in Bochum als erster deutscher Wasserwirtschaftsverband gegründet. Dieses Modell stand Pate für eine ganze Reihe weiterer Wasserverbände, darunter für den am 18. Januar 1926 gegründeten Lippeverband, der mit der Emschergenossenschaft von Anfang an eng kooperierte. Als selbstverwaltete Körperschaft des öffentlichen Rechts wird die Emschergenossenschaft durch ihre Mitglieder – Städte, Wirtschaft und Bergbau – getragen und finanziert. Ihre Aufgaben sind unter anderem die Unterhaltung der Emscher, die Abwasserentsorgung und -reinigung sowie der Hochwasserschutz. Wegen der durch den Bergbau verursachten Erdsenkungen im Ruhrgebiet sind unterirdische Kanäle früher nicht möglich gewesen, da sie bei Bergsenkungen beschädigt worden wären. Daher wurden die Emscher und ihre Nebenflüsse als offene Schmutzwasserläufe verwendet. Seit Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre hat sich die Lage jedoch geändert. Nach dem Ende des Bergbaus sind keine Bergsenkungen mehr zu befürchten, so dass nun auch unterirdische Abwasserkanäle gebaut werden können. Seit 1992 plant und setzt die Emschergenossenschaft den Emscher-Umbau um. Jedes Gewässer erhält ein unterirdisches Pendant, durch das die Abwässer zu den Kläranlagen abgeleitet werden. Die oberirdischen Bäche sind damit abwasserfrei und können anschließend renaturiert werden: Die Betonsohlschalen werden entfernt, die Böschungen weiter und vielseitiger gestaltet. Dort, wo der Platz es zulässt, erhalten die einst technisch begradigten Flüsse wieder einen kurvenreicheren Verlauf. Der Emscher-Umbau dauert bis 2020. Über einen Zeitraum von 30 Jahren investiert die Emschergenossenschaft insgesamt 4,5 Milliarden Euro. Seit Beginn der 1990er-Jahre wurden bis heute bereits etwa 2,2 Milliarden Euro ausgegeben. Rund 220 von insgesamt 400 Kanalkilometern sind bislang verlegt worden, knapp 65 von 350 Kilometern an Gewässerläufen wurden schon ökologisch verbessert. Das Herzstück des Emscher-Umbaus ist der Abwasserkanal Emscher (AKE), der ab 2017 das Schmutzwasser aus den Zuflusskanälen aufnimmt. Der Spatenstich für den AKE ist bereits im September 2009 erfolgt, derzeit wird der Hauptbau vorbereitet, in den kommenden Monaten beginnt der Bau. 51 Kilometer lang wird er sein und von Dortmund bis nach Dinslaken führen. Insgesamt wird der Abwasserkanal aus 35 000 Stahlbeton-Kanalrohren mit Innendurchmessern zwischen 1,60 und 2,80 Metern bestehen. In acht bis 40 Metern Tiefe fließt das Abwasser mit einer Geschwindigkeit von vier Kilometern in der Stunde. Einmal in Betrieb genommen wird der Abwasserkanal trennen, was nicht zusammengehört: Sauberes Fluss- und Regenwasser wird offen in und durch die Emscher fließen, das Abwasser dagegen unterirdisch im Kanal transportiert.
Bildtexte:
Bild 1: Machten sich ein Bild vom Maschineneinsatz: Michael Heidemann (vorne rechts), Chef der Zeppelin Baumaschinen GmbH, sowie Kay-Achim Ziemann (Zweiter von rechts), Zeppelin Vertriebsdirektor. Sie ließen sich von Christian Strysch (vorne links), Geschäftsführer der Stricker Holding GmbH & Co.KG, Karl-Heinz Rogalla (hintere Reihe links), Stricker Betriebsleiter, Dietrich Lutz (rechts außen), Oberbauleiter, und Christian Pyttel (hintere Reihe, Zweiter von Links), Bauleiter, beide von der Heitkamp Erd- und Straßenbau GmbH, die Baustelle erklären.
Bild 2: Zehn Bagger von Caterpillar verteilen sich auf der gesamten Baustelle, um den Aushub voranzutreiben
Bild 3: Insgesamt müssen 1,3 Millionen Kubikmeter abgetragen, abgefahren und abgekippt werden.
Fotos: Zeppelin
|
|
|
|
 |
|