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| Abbruch über den Dächern Münchens |
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| Mit drei Cat Minibaggern auf 55 Metern Höhe arbeitete sich der Abbruchspezialist Balthasar Trinkl von oben nach unten |
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Garching bei München, im Juni 2010 (zep/SR). Es war laut dem Bauunternehmer Florian Trinkl das höchste Gebäude, das seit den letzten zehn Jahren derzeit in der bayerischen Landeshauptstadt abgebrochen wurde: das Gebäude der Versicherungskammer Bayern im Münchner Arabellapark, im Nobelviertel Bogenhausen. Bis zuletzt war hier die kassenärztliche Vereinigung untergebracht – in Zukunft soll an dieser Stelle ein Neubau entstehen. Nicht nur aufgrund seiner Größe – das Bauwerk ragte bis zu seiner Oberkante 55 Meter in die Höhe – war der Abbruch für den ausführenden Abbruchspezialisten, die Balthasar Trinkl GmbH & Co. KG aus Krailling, eine ganz besondere Herausforderung, sondern weil sich in unmittelbarer Nähe ein Knotenpunkt der Deutschen Telekom befindet. Daran hängt ein Drittel des Münchner Telefonnetzes. Dass dieses nicht beschädigt werden durfte, verstand sich von selbst. „Genau aus diesem Grund konnten wir das Gebäude nicht sprengen“, erklärte Florian Trinkl, technischer Geschäftsführer des Bauunternehmens. Deswegen machten sich die Mitarbeiter mit drei Minibaggern, wie zwei Cat 304 sowie einem Cat 302.5, daran, das Gebäude von oben nach unten abzutragen.
„Selbstverständlich hätten wir auch mehrere Longfrontbagger in unserem Fuhrpark, doch diese konnten wir aufgrund der Höhe nicht von Anfang an einsetzen, sondern mussten damit warten, bis wir mit den Minibaggern im siebten Stock angekommen waren und 28 Meter Höhe erreicht hatten. Dann machte ein Longfrontbagger das Gebäude klein“, so Florian Trinkl. Zuerst waren allerdings die Minibagger gefragt, die hinsichtlich ihrer Möglichkeiten genauso Leistung zeigen mussten wie ihre großen Kollegen im Abbruch. „Die Cat Kompaktgeräte leisteten hier Erstaunliches und zeigten, dass sich mit ihnen genauso große Abbruchaufgaben bewältigen lassen wie mit den großen Baggern“, berichtete Bauleiter Sascha Janke. 16 Etagen hatte das Bauwerk insgesamt – neun davon knöpften sich die Kompaktmaschinen vor. Vier Monate arbeiteten die Kompakten zehn Stunden pro Tag, sechs Tage die Woche. Bei einem Maschinenausfall durften die Geräte nur kurz ruhen. Servicemitarbeiter der Zeppelin Niederlassung München kümmerten sich darum, die Minibagger wieder flott zu machen.
Ein angemieteter Turmdrehkran beförderte nicht nur die Baumaschinen und ihre Fahrer, sondern auch die übrigen Baugeräte sowie ein Stromaggregat von Zeppelin nach oben. Um dem Kran die nötige Stabilität zu verleihen, wurden Gründungen mit Betonpfählen geschaffen. Außerdem ließ Trinkl eigens für die Baustelle Anschlagmittel und zwei Traversen von dem Unternehmen Carl Stahl anfertigen – sie werden normalerweise in Deutschland nicht mehr hergestellt. An der Traverse wurden dann die Seile eingehängt, woran dann die Minibagger, Container oder Fassadenplatten angebracht wurden.
Nerven wie Drahtseile
Die Mitarbeiter brauchten Nerven wie Drahtseile – wer Höhenangst hatte, war hier absolut fehl am Platz. Immerhin wurde hier in 55 Metern Höhe mit den Cat Minibaggern gearbeitet - und das auf engstem Raum. Hier war kaum Platz zum Rangieren. Wer aus Versehen den falschen Gang eingelegt hätte und statt vorwärts rückwärts gefahren wäre, wäre verloren gewesen. „Diese Aufgabe kann nicht jeder machen. Selbst noch so gute Fahrer kommen hier aufgrund der Höhe an ihre Grenzen, insbesondere dann, wenn sie mit dem Minibagger außen an der Fassade arbeiten, der in einer zugelassenen Containerwanne steht, die an einem Kranseil hängt“, so Trinkl. Sicherheit hat für ihn immer oberste Maxime. „Uns durfte hier wirklich kein Fehler passieren. Denn der wäre tödlich gewesen. Sicherheit geht immer vor. In unserer über 87-jährigen Firmengeschichte gab es zum Glück noch nie einen Arbeitsunfall mit Todesfolge. Und das soll in jedem Fall auch so bleiben“, fügte er hinzu. Fest ist er davon überzeugt, dass ein Unternehmer nachhaltig agieren muss. Und deswegen genießen Arbeitsschutz sowie die Sicherheit des Personals in dem Betrieb einen hohen Stellenwert.
Hinsichtlich der verwendeten Anbaugeräte können seine Fahrer stets aus dem Vollen schöpfen. So können die Kompakten genauso wie andere Abbruchbagger auch viele Anbaugeräte einsetzen. Den Fahrern standen für diese Aufgabe Abbruchschere, -sortiergreifer, und -hammer zur Verfügung. „Wir haben extra einen Zusatzhydraulikkreislauf einbauen lassen, damit wir drehbare Sortiergreifer anbauen konnten. Somit standen die Kleingeräte den Großgeräten in nichts nach“, meinte Trinkl. Allerdings war der Meißeleinsatz somit so gut wie ausgeschlossen – er war lediglich erlaubt, um die Fassadenplatten zu lösen. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Baustelle befindet sich der Burda-Verlag, das Hotel Arabella Sheraton sowie das Hypo-Hochhaus, wo die HypoVereinsbank beziehungsweise UniCredit sitzt. Deswegen sollten die Arbeiten so geräuschlos wie möglich über die Bühne gehen. Die Lärmentwicklung wurde 24 Stunden rund um die Uhr online von einem Fachgutachter überwacht. Der Geräuschpegel sollte 65 Dezibel nicht überschreiten. „Täglich gab es Rücksprache mit dem Lärmgutachter. Außerdem mussten wir uns vorab verpflichten, nur neue Geräte einzusetzen, die emissions- und vibrationsarm arbeiten“, so der Bauleiter. Was die Staubentwicklung betraf, hielt sie sich im oberen Bereich in Grenzen. „Erst weiter unten sollte der Staub mit Wasser bekämpft werden. Hier oben wäre es viel zu gefährlich gewesen“, führte er weiter aus. Insgesamt ging es bei dem Abbruch um 50 000 Kubikmeter umbauten Raum. Nach dem oberirdischen Abbruch kam noch der unterirdische Abbruch von vier Geschossen dazu.
Auf Nummer sicher
Seit Oktober 2009 waren zwölf Mitarbeiter mit dem Abbruch beschäftigt. Zuerst musste das Gebäude komplett entkernt werden. Dabei mussten Schadstoffe, wie künstliche Mineralfasern sowie asbesthaltige Fußböden gesondert entfernt werden. „Als einer der wenigen Fachbetriebe für Weichasbestsanierung sind wir auch solchen Aufgaben gewachsen. Darum sind wir genau das richtige Unternehmen für diesen Auftrag. Schließlich haben wir unter der Belegschaft auch Maurer und Mitarbeiter, welche Betonsägearbeiten ausführen können und müssen darum niemand Externen beauftragen, sondern können alle Gewerke mit unseren eigenen Leuten aus einer Hand abdecken“, meinte der Geschäftsführer.
Fassadenplatten aus Waschbeton wurden von dem Kranfahrer Robert Podehl genauso sicher nach unten geholt, wie das anfallende Recyclingmaterial sowie der Bauschutt, Mischabfälle und Holz. Unten standen entsprechende Container bereit, wo die verschiedenen vorsortierten Materialien, wie Beton und massiver Bewehrungsstahl sowie bitumenhaltige Dachpappe eingeladen wurden. In Teilbereichen wurde die Statik der Tiefgarage unterstützt, um weitere Lagerflächen zu schaffen. Außerdem wurde neben der Cosimastrasse eine zusätzliche Baustellenzufahrt in der Denninger Strasse geschaffen. So konnte von zwei Seiten aus das Material abgefahren werden. Lkw brachten das Recyclingmaterial zur Prinz-Eugen-Kaserne. Seit Juni letzten Jahres wird sie ebenfalls von Trinkl rückgebaut – hier geht es um 300 000 Kubikmeter umbauten Raum.
Der Diplom-Bauingenieur Florian Trinkl hat sich im Lauf der Jahre auf komplizierte Abbruchprojekte spezialisiert. Ende Februar erhielt Trinkl den Auftrag für den Abbruch der Funkkaserne, der ein ähnliches Volumen hat. „Doch dagegen ist der Abbruch in 55 Metern Höhe eine andere Liga. Das kann nicht jedes Unternehmen bewerkstelligen“, war der Firmenchef überzeugt. Was ihn dafür qualifiziert, sind seine Mitarbeiter und seine Technik. Der Fuhrpark von Trinkl ist gut bestückt und kann weitaus mehr bieten als Minibagger. Allein die Liste der Cat Maschinen umfasst diverse Kettenbagger von 20 bis 80 Tonnen, wie die Cat Geräte 320CL, 323DL, 325BLN, 325DLN, 330BLN, 330CLN, 330DLN, 336DLN sowie Radlader 950H, 966G, 966H, den Dozer D5 sowie die knickgelenkte Muldenkipper D30D und 730D. „Im Durchschnitt investieren wir pro Jahr 2,5 Millionen Euro in die Geräte, die wir nicht nur bei Abbruchprojekten, sondern auch im Kieswerk in Unterbrunn und im Steinbruch Waldheim benötigen. Unsere Maschinen müssen auf dem neusten Stand der Technik sein. Denn wenn wir solche komplexen und anspruchsvollen Projekte wie hier im Arabellapark stemmen, wollen wir nichts dem Zufall überlassen und schon gar nichts unnötig riskieren. Auch wenn wir vollstes Vertrauen in unsere Maschinen haben, wurden sie vorher von einem Sachverständigen sorgfältig überprüft. Um auf Nummer sicher zu gehen, wurde auch ein neues Kranseil eingezogen“, so Florian Trinkl. Auf seine Mitarbeiter konnte er sich bei dieser und anderen Baustelle hundertprozentig auf sie verlassen. „Natürlich braucht es Mitarbeiter wie den Bauleiter Sascha Janke oder den Polier Ingolf Beier und die Maschinisten, die so einen Einsatz mitmachen. Denn das Projekt ist für jeden von ihnen eine Herausforderung wegen dem langen Arbeitseinsatz bei Wind und Wetter auf einer Höhe von 55 Meter“, lautete das Fazit des Unternehmers.
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